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        <r:Title>DDI3.1 Dokumentation für Studie &apos;Entwicklung der Erwerbspersonen und Branchenstrukturen in Deutschland 1875 bis 1980.&apos;</r:Title>
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            <r:Title>Entwicklung der Erwerbspersonen und Branchenstrukturen in Deutschland 1875 bis 1980.</r:Title>
                                        <r:Creator>Stockmann, Reinhard</r:Creator>
                            <r:Creator> Kleber, Wolfgang</r:Creator>
                            <r:Creator> Willms-Herget, Angelika</r:Creator>
            


            <r:Publisher>GESIS - Leibniz Institut für Sozialwissenschaften</r:Publisher>

            <r:Contributor role="Distributor">GESIS - Leibniz Institut für Sozialwissenschaften</r:Contributor>
            <r:InternationalIdentifier type="DOI">doi:10.4232/1.8137</r:InternationalIdentifier>
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                <dc2:title>Entwicklung der Erwerbspersonen und Branchenstrukturen in Deutschland 1875 bis 1980.                </dc2:title>
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                Die vorliegenden Studien wurden im Rahmen des VASMA – Projektes erstellt (Vergleichende Analysen der Sozialstruktur mit Massendaten“; unter der Leitung von Prof. Walter Müller, Univ. Mannheim; gefördert von der Stiftung Volkswagenwerk in der Zeit von 1979 bis 1984). Das VASMA - Projekt hat eine Reihe von Arbeiten zum Strukturwandel der Erwerbsbevölkerung, zum Wachstum, zur Konzentration und internen Struktur der Betriebe und Unternehmen sowie zum Verlauf des Veränderungsprozesses erstellt, die Auskunft über die Tendenzen und Interdependenzen grundlegender gesellschaftlicher Entwicklungen während des vergangenen Jahrhunderts geben. Das Projekt befasste sich schwerpunktmäßig mit dem langfristigen Wandel der Erwerbsstruktur in Deutschland, unter Einschluss des Strukturwandels der Frauenarbeit in den zurückliegenden 100 Jahren. Dabei standen wurden insbesondere drei Fragestellungen im Vordergrund: Das Wachstum und der Strukturwandel des Beschäftigungssystems, die Änderungen der Betriebsstruktur und der Strukturwandel der Frauenarbeit. Zur Beantwortung dieser Fragenkomplexe wurden wichtige Datenquellen der amtlichen Statistik erschlossen. Insbesondere der umfangreiche Aggregatdatenbestand deutscher Berufs- und Arbeitsstättenzählungen von 1875 bis 1970 sowie Mikrodatensätze bundesdeutscher Erhebungen bildeten die empirische Grundlage für den historisch - vergleichenden Forschungsschwerpunkt des Projektes. In den Volks- und Berufszählungen wird die Erwerbstätigkeit von der Person bzw. vom Haushalt her betrachtet; in den Betriebs- und Arbeitstättenzählungen erfolgt die Erfassung der Beschäftigten über Betriebe, in dem Beschäftigungsfälle bzw. besetzte Arbeitsplätze gezählt werden. Voraussetzung war, die häufig sehr diffizilen Ergebnisse der statistischen Erhebungen über einen Zeitraum von 100 Jahren vergleichbar zu machen, wobei der Systematisierung der Berufsfelder und der Wirtschaftszweige (Branchen) besondere Bedeutung zukam. 
Die vorliegende Datenzusammenfassung beruht auf Publikationen aus zwei Teilprojekten.
- Teilprojekt „Wachstum und Strukturwandel des Beschäftigungssystems“:
Bei der erklärenden Beschreibung der gesellschaftlichen Entwicklung seit dem vergangenen Jahrhundert nimmt der Wandel von Produktion und Beschäftigung eine zentrale Stellung ein. Im Mittelpunkt des Teilprojektes steht die Frage nach den längerfristigen Umschichtungen des Beschäftigungssystems im Deutschen Reich bzw. der Bundesrepublik. Damit wird die alte Frage nach dem Übergang von einer agrarisch geprägten zu einer um die Bereitstellung von Diensten organisierten Gesellschaft auf der Basis von historischen Berufszählungen aufgegriffen. Die globalen Wandlungstendenzen werden entlang von zwei Entwicklungslinien verfolgt: die Erwerbsbevölkerung nach Wirtschaftssektoren und beruflichen Stellungen und die Verteilung der Erwerbstätigen auf vergleichbare Berufsfelder. 

- Teilprojekt „Gesellschaftliche Modernisierung und Betriebsstruktur“: 
Die Analyse der Entwicklung der Arbeitsstätten in Deutschland von 1875 bis 1980 erfolgt zunächst nach der Entwicklung der Betriebsgrößen und Unternehmensformen. Der zweite Untersuchungsschritt ist eine flächendeckende Analyse, die sämtliche erwerbswirtschaftliche Organisationen umfasst und eine detaillierte, über den gesamten Untersuchungszeitraum vergleichbare Differenzierung nach Branchen (insgesamt 34) ermöglicht. Dabei wird für die Erwerbspersonen in den Betrieben auch die „Stellung im Betrieb“ (Mithelfende, Inhaber, Angestellte, Arbeiter) berücksichtigt. 

Thematische Schwerpunkte der vorliegenden Datensammlung sind:
A. Übersichtstabellen: Erwerbspersonen nach Stellung im Beruf und nach Wirtschaftsbereichen (Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden, Bevölkerung und Wirtschaft 1872 - 1972);
B. Entwicklung der Erwerbsbevölkerung nach Berufsfeldern, beruflichen Stellungen und Sektoren (VASMA - Projekt: Kleber, W.; Willms-Herget, A.);
C. Entwicklung der Betriebe und Unternehmen nach Branchen und Betriebsgrößen (VASMA - Projekt: Stockmann, R., Kleber, W.);
D. Wertschöpfung nach Branchen (Hoffmann, W. G.; Statistisches Bundesamt).


Die Datentabellen der vorliegenden Datensammlung stützen sich auf ausgewählte Forschungsergebnisse und Datentabellen aus den folgenden Publikationen: 
Haller, M./Müller, W. (Hrsg.), 1983: Beschäftigungssystem im gesellschaftlichen Wandel. Campus Verlag, Frankfurt/New York.
Kleber, W./Stockmann, R., 1986: Wachstum und Strukturwandel des Beschäftigungssystems, in: Soziale Welt, 37, S. 48-78.
Kleber, W., 1984/ Stockmann, R.: Wachstum und Strukturwandel des Beschäftigungssystems, 1882-1982. VASMA-Projekt, Universität Mannheim, Arbeitspapier Nr. 43.
Stockmann, R./Kleber, W., 1985: Die Entwicklung der Betriebs- und Beschäftigtenstruktur nach Branchen 1875 - 1982. VASMA-Projekt, Universität Mannheim, Arbeitspapier Nr. 44.
Stockmann, R./Willms-Herget, A., 1985: Erwerbsstatistik in Deutschland. Die Berufs- und Arbeitsstättenzählungen seit 1875 als Datenbasis der Sozialstrukturanalyse. Frankfurt/New York: Campus Verlag.
Stockmann, R., 1987: Gesellschaftliche Modernisierung und Betriebsstruktur. Die Entwicklung von Arbeitsstätten in Deutschland 1875-1980. Frankfurt/New York: Campus. 

Statistisches Bundesamt Wiesbaden (Hrsg.), 1972: Bevölkerung und Wirtschaft 1872 - 1972. Stuttgart/Mainz: Kohlhammer.

Hoffmann, W.G., 1965: Das Wachstum der deutschen Wirtschaft seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Berlin: Springer, S. 453-455. 
Mitchell, B.R., 1975: European Historical Statistics. London: Macmillan Press.


(a) Teilprojekt „Wachstum und Strukturwandel des Beschäftigungssystems“:
Die Bestandsaufnahme der Verteilungen von Personen auf Branchen und auf Berufstätigkeiten ist Gegenstand der „Berufszählungen“. Die in Deutschland seit 1882 in unregelmäßigen Abstanden durchgeführt werden. In den Berufszählungen besteht das Ziel in einer Bestandsaufnahme der Verteilung von Personen auf Branchen und Berufstätigkeiten. Dabei werden Berufe als sozial normierte Tätigkeitsbündel verstanden, die individuell ausgeführt werden. Die Entstehung einer eigenständigen Berufsstatistik in den Berufszählungen – neben der sektoralen, branchenmäßigen Aufgliederung steht in engem Zusammenhang mit der immer deutlicher werdenden Trennung der beiden Dimensionen „Beruf“ und „Wirtschaftszweig“. Ein erster Versuch, durch die getrennte Berücksichtigung beider Dimensionen die zunehmende Durchmischung der Branchen mit „branchenfremden“ Berufstätigen zu erfassen, wurde in der Berufszählung 1925 gemacht. Die Berufkataloge wurden von der Orientierung an den Wirtschaftszweigen befreit, obsolet werdende Berufe gestrichen und residual bestimmte Kategorien aufgelöst. 
Im Gegensatz zu Materialien über die sektorale Umschichtung der Erwerbstätigen, die zumindest in einfacher Form als „Lange Reihen“ vom Statistischen Bundesamt zur Verfügung gestellt wurden (siehe die Datentabellen unter der Untergliederung „A“; Statistisches Bundesamt Wiesbaden (Hrsg.), 1972: Bevölkerung und Wirtschaft 1872 - 1972. Stuttgart/Mainz: Kohlhammer), waren die zahlreichen berufsstatischen Ergebnisse der Zählungen seit 1925 bislang als Grundlage für sozialwissenschaftliche oder historische Forschungen unerschlossen. Gerade in soziologischer Perspektive ist dies bedauerlich, da Berufe direkter (als es Wirtschaftszweigangaben können) einen Eindruck vermitteln vom Standort der Beschäftigten im System der gesellschaftlichen Arbeitsteilung, von ihrer Mitarbeit durch produktive, distributive, planende oder helfende Tätigkeit in den verschiedenen Bereichen der Ökonomie. Wichtige neuere Entwicklungen des Beschäftigungssystems spielen sich nicht auf der Ebene von Wirtschaftssektoren - im Übergang vom Sekundären zum Tertiären Sektor – ab, sondern innerhalb des Sekundären Sektors gewinnen tertiäre Tätigkeiten an Bedeutung, und der Tertiäre Sektor ist mit sekundären Berufen durchmischt. Diese Entwicklungen lassen sich aber nur darstellen und analysieren, wenn außer der sektoralen Zuordnung der Erwerbstätigen (als Ausdruck für den hauptsächlichen Betriebszweck ihrer Arbeitsstätte) auch ihre berufliche Gliederung (als Ausdruck der tatsächlichen Arbeitvollzüge) bekannt ist.
Eine wichtige Voraussetzung für die Aufbereitung der vollständigen Berufsstatistik seit 1925 wurde durch die Übernahme der wichtigsten publizierten Berufstabellen der historischen Zählungen im VASMA - Projekt geschaffen. Die Rekonstruktion der historischen Entwicklung der Berufsstatistik, ihrer zahlreichen Revisionen und Ergänzungen, hatte das Ziel, aus dem Nebeneinander berufsstatistischer Materialen einzelner Zählungen eine integrierte Reihe vergleichbarer Berufsfelder über den gesamten Zeitraum von 1925 bis 1985 aufzubauen. Die historischen Materialien wurden reorganisiert und ergänzt, dass sie in die Berufssystematik der amtlichen Statistik der Bundesrepublik Deutschland der 70er Jahre näherungsweise hineinpassen. Mit der entwickelten Reihe (von insgesamt 103) vergleichbarer Berufsfelder wurde eine Voraussetzung für Analysen des langfristigen Strukturwandels im Erwerbssystem geschaffen, die nicht mehr darauf angewiesen sind, allein die Zuordnung von Personen zu Betrieben als Näherungswert für die Strukturierung des Beschäftigungssystems zu betrachten. Mit ihr kann die gesellschaftliche Arbeitsteilung als Verteilung von Tätigkeiten betrachtet werden. Neben den Berufsfeldern wurden auch die Angaben zu dem Wirtschaftszweig und die berufliche Stellung (Selbständige, Mithelfende, Angestellte und Beamte, Arbeiter) berücksichtigt. 
„Der langfristige Wandel der Beschäftigungsstruktur wird hier vorwiegend als sektorale Verschiebung, als Wechsel der beruflichen Tätigkeit im Aggregat der Erwerbspersonen untersucht. Um die Schwächen der sektoralen Dreigliederung (Primärer Sektor: Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei; Sekundärer Sektor: Produzierendes Gewerbe einschl. Bergbau und Baugewerbe; Tertiärer Sektor: Handel, Banken und Versicherungen, Verkehr, Kommunikation, öffentliche Verwaltung, Bildung und Wissenschaft, sonstige Dienstleistungen) werden der Konsumgüter- und der Produktionsmittelbereich getrennt betrachtet und der Dienstleistungsbereich nach den Beziehungen zu den privaten Haushalten, Produktion bzw. Markt sowie dem staatlichen Bereich unterschieden. Es ist kaum zu bestreiten, dass der Stand der sektoralen Verteilung nicht nur über den Produktionsschwerpunkt, sondern auch über das Entwicklungsniveau einer Gesellschaft informiert“ (Kleber, W./Stockmann, R., 1986: Wachstum und Strukturwandel des Beschäftigungssystems, in: Soziale Welt, 37, S. 53f).


(b) Teilprojekt „Gesellschaftliche Modernisierung und Betriebsstruktur“: 
In einer weiteren Perspektive sind weniger die Tätigkeiten der individuellen Erwerbspersonen, sondern die institutionellen Zusammenhänge, in denen Arbeit geleistet wird, von Interesse. Bei der Entwicklung der institutionellen Ebene (Betriebe und Unternehmen) ist nicht mit einer gleichmäßigen Teilhabe am globalen Zuwachs zu rechnen. Produktions-, kapital- und innovationstheoretische Überlegungen postulieren ein deutlich ungleiches Wachstum einzelner Betriebe und eine generelle Tendenz zum Großbetrieb. Einige Hinweise zur Gültigkeit dieser Annahme lassen sich bereits aus der Verteilung der Betriebe auf Größenklassen ablesen. Ein weitere Fragerstellung betrifft den Strukturvergleich auf Branchenebene. In Untersuchungen zur Beschäftigtenstruktur liegen zumeist Individuen als Einheiten der Analyse zugrunde. Die Zuordnung der Beschäftigten zu Institutionen und Organisationen wurde hingegen weitgehend vernachlässigt. Von der Analyseebene der erwerbstätigen Individuen ist deshalb die ihrer sozialen Aggregierung in Betrieben und Unternehmen zu unterscheiden, da sich Organisationen im Zeitablauf verändern und damit auch deren Positions- und Stellengefüge einem Wandel unterliegt. Eine Veränderung vom Klein- zum Großbetrieb, von einer arbeitsintensiven zur kapitalintensiven Produktionsweise, eine Umstellung von der Einzel- zur Serienfertigung zieht einen Wandel der Beschäftigungsstruktur jedes einzelnen Betriebes nach sich. Das kumulative Ergebnis solcher Prozesse schlägt sich in einem Wandel des gesamten Beschäftigungssystems nieder. Wenn demnach die Organisationsstruktur die Nachfrage nach bestimmten Arbeitskräften beeinflusst, kommt der Betriebsgrößenentwicklung besondere Bedeutung zu. In dem zweiten Teilprojekt wurde daher vor allem auch die soziale Aggregierung der Beschäftigten berücksichtigt, wobei der Betriebsgrößenentwicklung - insgesamt und innerhalb einzelner Branchen - besondere Bedeutung zukommt. 
Die Studien von Reinhard Stockmann und Wolfgang Kleber untersuchen die gesellschaftliche Modernisierung und Betriebsstruktur anhand der Entwicklung von Arbeitsstätten von 1875 bis 1980. Die flächendeckende Analyse umfasst sämtliche erwerbswirtschaftliche Organisationen und eine detaillierte Differenzierung nach Branchen. Als Datenquelle dienen die Ergebnisse der Arbeitsstättenzählungen, da in der Studie vor allem die soziale Aggregierung von Individuen untersucht werden soll. Der hierfür konstruierte Vergleichsschlüssel wurde auf einer 34 Kategorien (Branchen) umfassenden Ebene erstellt, die sowohl nach theoretischen als auch nach technischen Gesichtspunkten am zweckmäßigsten erschien. Dabei dienten die Systematiken der Arbeitsstättenzählungen von 1961 und 1970 als Leitsystematiken, nach denen die Positionen der übrigen Arbeitsstättenzählungen anhand der amtlichen Vergleichsschlüssel neu kategorisiert wurden. (Stockmann, R., 1987: Gesellschaftliche Modernisierung und Betriebsstruktur. Die Entwicklung von Arbeitsstätten in Deutschland 1875-1980. Frankfurt/New York: Campus, S. 20f).
Bei der erklärenden Beschreibung der gesellschaftlichen Entwicklung seit dem vergangenen Jahrhundert nimmt der Wandel von Produktion und Beschäftigung eine zentrale Stellung ein. Die langfristigen Veränderungen innerhalb der Beschäftigungsstruktur beschreibt Stockmann als Abfolge dreier Modernisierungswellen. Mit der Durchsetzung der industriellen Arbeitsteilung und dem Aufbau des materiellen Produktionsapparates, beginnt die erste Modernisierungswelle seit 1882. Die zweite Modernisierungswelle setzt in den 1890er Jahren mit der Trennung von Haushalt und Betrieb, und der zunehmenden Arbeitsteilung zwischen den Betrieben und die räumliche Trennung von Produktion und Verbrauch ein. Die dritte Modernisierungswelle schließlich erreicht in den 1930er Jahren ihren Höhepunkt durch den deutlichen Zuwachs des Wohlfahrts- und Sicherheitssektors. Zwischen 1950 und 1980 nahm die Zahl der Beschäftigten in den wohlfahrtsstaatlichen Diensten um das 1,5-fache zu, mehr als doppelt so stark als die modernen Industrien.
Stockmann wählt (alternativ zu den statistischen Daten aus den Berufszählungen) die Ergebnisse der Betriebs- und Arbeitsstättenzählungen. In seiner Untersuchung zur historischen Entwicklung der Erwerbsarbeit erkennt er die gesellschaftlichen Organisationen als Brennpunkte des sozialen Wandels. &quot;Während die traditionelle Organisationslehre im wesentlichen an der Lösung organisatorischer Probleme interessiert war, rückten erst die System-Umwelt-Theorien den Zusammenhang von Gesellschaft und Organisation wieder ins Blickfeld, wobei aber zumeist die historische Perspektive ausgeklammert blieb oder in evolutionistische Metaphern abgedrängt wurde. Prozesse des gesellschaftlichen Strukturwandels wurden hingegen weiterhin vornehmlich individuenbezogen analysiert, indem man die Verteilung der Individuen auf eine Vielzahl von als relevant erachteten Merkmalen (z.B. berufliche Position, Klassen, Schichten etc.) nach Veränderungen hin untersuchte. Wenn aber entwickelte Gesellschaften gerade durch das Vordringen von Organisationen in alle Lebensbereiche gekennzeichnet sind, erscheint es eher erstaunlich, daß Organisationen als Mittler zwischen Individuen und Gesellschaft bisher weniger Beachtung fanden.&quot; Die Analyse gesellschaftlicher Arbeit ist laut Stockmann vorläufig auf folgenden Untersuchungsebenen denkbar: Gesellschaft, Institutionen, Organisationen (z.B. Arbeitsstätten, Unternehmen), Individuen (z.B. Arbeitnehmer, Selbständige), Rollen (z.B. Berufe), Werte, Normen, Einstellungen.
„Sowohl aus theoretischer als auch aus forschungspraktischen Gründen scheint der Betrieb (das Unternehmen, die Organisation) ein besonders geeignetes Analyseobjekt darzustellen. Organisationen stellen empirisch vorfindliche soziale Einheiten und keine analytischen Konstrukte dar, […] Arbeitsstätten, Betriebe und Unternehmen sind zudem der empirischen Erfassung unmittelbar zugänglich und in den differenzierten Tabellen der amtlichen Statistik gut dokumentiert. … Eine besonders wichtige Form stellen die Betriebe dar, die die soziale Aggregierung der Erwerbsbevölkerung bewirken. Verändert sich nun die Organisationsstruktur, z.B. vom Klein- zum Großbetrieb, von der Einzelstück- zur Serienfertigung, von einer arbeitsintensiven zur kapitalintensiven Produktionsweise, oder werden aufgrund &quot;äußerer&quot; Faktorveränderungen (z.B. steigender Bevölkerung oder schrumpfender Nachfrage) modifizierte oder neue Produkte hergestellt (z.B. weniger Waren, dafür aber mehr Dienstleistungen), dann wandelt sich auch die Beschäftigungsstruktur jedes einzelnen Betriebes. Das kumulative Ergebnis eines solchen Prozesses schlägt sich u.a. in einem Wandel der Beschäftigtenstruktur nieder“. 
Stockmann wählt einen möglichst langen Analysezeitraum, &quot;um relativ dauerhafte Entwicklungsmuster aufdecken zu können.&quot; … &quot;Historisch-soziologische Analysen können einen Beitrag dazu leisten, die Frage aufzuhellen, inwieweit bestehende Strukturen gegenwärtige Entwicklungen präformieren und die potentielle Variabilität des Wandels restringieren.&quot; (Stockmann, R., 1987: Gesellschaftliche Modernisierung und Betriebsstruktur. Die Entwicklung von Arbeitsstätten in Deutschland 1875-1980. Frankfurt/New York. Campus Verlag, S. 11-20).
Ziel der Arbeit ist, organisatorische Veränderungen im Zeitablauf nachzuzeichnen und die relativ dauerhaften Entwicklungsmuster innerhalb des historischen Bogens der vergangenen 100 Jahre aufzudecken. Hierzu stellt Stockmann den gesellschaftlichen Kontext dar, in dessen Umfeld sich die Organisationen entwickeln, indem er die gesellschaftlichen, technischen und ökonomischen Bedingungen über die analysierte Zeitspanne aufzeigt. Z.B. &quot;hat sich die Bevölkerung in Deutschland zwischen 1850 und 1910 fast verdoppelt. Die Zahl der Erwerbspersonen folgt während des gesamten Beobachtungszeitraums der Bevölkerungsentwicklung.&quot; (Stockmann, R., 1987: Gesellschaftliche Modernisierung und Betriebsstruktur. Die Entwicklung von Arbeitsstätten in Deutschland 1875-1980. Frankfurt/New York. Campus Verlag, S. 72). Weiterhin untersucht der Autor auch die branchenspezifischen Entwicklungsmuster etwa in Bezug auf die Unternehmensformen und die Betriebsgrößenklassen, wobei er eine detaillierte Differenzierung der Wirtschaftszweige vornimmt. 


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