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            <r:Title>Die Zentren der Eisen- und Stahlindustrie im Deutschen Zollgebiet von 1850 bis 1914.</r:Title>
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            <r:Publisher>GESIS - Leibniz Institut für Sozialwissenschaften</r:Publisher>

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                (Zitate aus: Martin, Bernd: Industrialisierung und regionale Entwicklung. Die Zentren der Eisen- und Stahlindustrie im Deutschen Zollgebiet, 1850-1914. Inauguraldissertation im FB Wirtschaftswissenschaften der Freien Universität Berlin, Berlin 1983, S. 1-5, 21-23, 43-44).
S. 1 – 5:
„Gegenwärtig stehen regionale Probleme in vielen Ländern häufig im Zentrum wirtschaftspolitischer Diskussion. Einen Anlass hierzu bilden die infolge der Wirtschaftskrise offen zutage getretenen strukturellen Mängel und vor allem die innerstaatlichen und innerstaatlichen Entwicklungsgefälle.
Hierbei trat in der BR Deutschland u. a. die Schwerindustrie, insbesondere in letzter Zeit die Eisen- und Stahlindustrie, in den Mittelpunkt des Interesses. Fragen nach der Wettbewerbsfähigkeit traditioneller Standorte der Roheisen- und Stahlindustrie sowie ihrer Voraussetzungen (Rohstoffversorgung, Betriebsgröße, Absatz etc.) bleiben aktuell. Betroffene Regionen auf dem westeuropäischen Kontinent sind u. a. das Ruhrgebiet, das Saargebiet, Nordfrankreich, Luxemburg, Holland und Belgien. Einige dieser Wirtschaftsräume, in denen die Schwerindustrie dominiert, wie das Ruhr-, das Saargebiet und Lothringen/Luxemburg werden auch in der vorliegenden Arbeit behandelt. Hinzu tritt die ehemals bedeutende Eisenregion Siegerland und als Kontrast das oberschlesische Industrierevier.
In der vorliegenden Studie werden die Standortprobleme der Eisen- und Stahlindustrie im Deutschen Zollgebiet analysiert, verstanden als ein Beitrag sowohl zur Branchenanalyse als auch zur Industrialisierungsgeschichte in seiner regionalen Differenziertheit. Die Auswahl des Untersuchungsgegenstandes ging dabei auf das Interesse zurück, die Geschichte der Industrialisierung Deutschlands unter dem Blickwinkel der heutigen Regionalstrukturen zu bearbeiten. Hingewiesen werden soll damit vor allem auf die, meiner Meinung nach, zwingende Notwendigkeit, den Zusammenhang von sektoraler und regionaler Entwicklung in der deutschen Industrialisierung umfassender zu untersuchen. 

Untersuchungsgegenstand und Untersuchungsziel
Die vorliegende Arbeit untersucht die Eisen- und Stahlindustrie im Deutschen Zollgebiet von 1850 bis 1914. Die Eisen- und Stahlindustrie wurde dabei, soweit möglich, nach der heute in den Statistischen Ämtern üblichen &quot;Systematik der Wirtschaftszweige&quot; (SYPRO) abgegrenzt. Sie umfasst demnach die Produktion der Hochofen-, Stahl- und Walzwerke, der Schmiede-, Press- und Hammerwerke sowie der Ziehereien und Kaltwalzwerke. Der Begriff &quot;Eisen- und Stahlindustrie wird synonym mit dem Begriff &quot;Eisenschaffende Industrie&quot; verwandt, auch wenn letzterer heute streng genommen nur die oben aufgezählten Gruppen ausschließlich der Ziehereien und Kaltwalzwerke umfasst.
Bei der Abgrenzung des Untersuchungszeitraums wurde angesichts einer Fülle von Periodisierungsproblemen eine pragmatische Entscheidung getroffen. Die Untersuchung beginnt mit der Mitte des 19. Jahrhunderts (1850), als eine ausgeprägte Expansion der Schwerindustrie einsetzte und seitdem mit den Jahren 1850/52 auch eine, regional differenzierte, ausreichende Datengrundlage vorhanden war. Sie endet mit dem Jahr 1914, da mit der verstärkt einsetzenden Kriegswirtschaft veränderte Bedingungen galten.
Die Studie analysiert die unterschiedlichen Entwicklungstendenzen der Eisen- und Stahlindustrie in den fünf wichtigsten Produktionsgebieten sowie im Deutschen Zollgebiet insgesamt. Die fünf Regionen sind: das Ruhrgebiet, das Saargebiet, das Siegerland, Elsass-Lothringen/Luxemburg, Oberschlesien. Die Auswahl der Regionen wurde nach ihrer ökonomischen Bedeutung für die Eisen- und Stahlindustrie, die vor allem bestimmt wird durch die Produktionskapazität, die Produktionshöhe und den entsprechenden Verbrauch, vorgenommen. Das Problem der sachgerechten Abgrenzung der Regionen konnte im Hinblick auf die Fragestellung folgendermaßen gelöst werden: Es wurden möglichst Regionen gebildet, in denen für die dort ansässigen Unternehmen die Rohstoffbedingungen, die Produktions- und Absatzbedingungen annähernd gleich waren (Homogenitätsprinzip). Streng genommen ließe sich eigentlich nur Betrieb für Betrieb, oder Produktionsort für Produktionsort miteinander vergleichen und in dieser Weise typische Standorte identifizieren. Es konnte jedoch herausgearbeitet werden, dass für die relativ eng begrenzten Standorte der Eisenindustrie im Saargebiet, im Siegerland, in Oberschlesien, in Luxemburg und z.T. auch in Lothringen die Bedingungen nicht allzu stark differieren. Innerhalb des Ruhrgebiets, für dessen eigentliches Kerngebiet es im vorigen Jahrhundert keine statistisch-regionale Erfassungsbasis gab, musste allerdings häufiger zwischen westlichen Werken (Standort am Rhein), mittleren und östlichen Werken (Raum Dortmund) unterschieden werden.
Die in empirischen Untersuchungen meist wegen der Verfügbarkeit entsprechender regionaler Daten gewählte Abgrenzung nach Verwaltungsregionen konnte nur für zwei Regionen, Oberschlesien und Lothringen/Luxemburg, legitimiert werden. Die ökonomisch zusammengehörenden Regionen gingen im Falle des Ruhrgebiets und des Siegerlandes über Verwaltungsgrenzen hinaus bzw. waren enger als das zugehörige Verwaltungsgebiet zu begrenzen (Saargebiet). Damit mussten, soweit möglich, sowohl in bezug auf die regionale Abgrenzung als auch in bezug auf die erhobenen Indikatoren, neu Langzeitreihen zusammengestellt werden, die in einem statistischen Anhang nachgewiesen sind.
Die Notwendigkeit, den deutschen Industrialisierungsprozess regional und sektoral zu disaggregieren, wurde wiederholt von namhaften Autoren begründet. Die vorliegende Arbeit greift diese Anregungen auf und untersucht am Beispiel der Eisen- und Stahlindustrie die Determinanten der räumlichen Verteilung und ihrer Rückwirkungen auf die Struktur dieser Branche.
Im Anschluss an die Behandlung der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Produktionstechnik werden folgende Problembereiche behandelte
- Welchen Einfluss haben die traditionellen Standortfaktoren, wie Rohstoffkosten, Transport- und Lohnkosten auf die relative Entwicklung der Regionen im Zeitablauf?
- Welche Wachstumsraten und -formen waren in den einzelnen Regionen zu erkennen und inwiefern beruhten disparitäre Entwicklungen auf besonderen Faktoren, die über die natürlichen Bedingungen hinausgingen?
- Welche Dynamik ging von der Produktionstechnik aus und wie ist die Bedeutung neuer, moderner Anlagen einzuschätzen (Vintage-Effekt)? - Warum verfestigen sich einmal gebildete Raumstrukturen, obwohl die Standortbedingungen einem schnellen Wandel unterzogen sind?
Dabei wird zunächst von der &quot;Arbeitshypothese&quot; ausgegangen, dass die fünf untersuchten Regionen im Zeitablauf mit unterschiedlichen und sich schnell ändernder. Problemen der Rohstoffversorgung und der Versorgung mit anderen Vorleistungen konfrontiert waren. Die Vor- und Nachteile der prosperierenden gegenüber relativ stagnierenden Regionen unterschieden sich im Saldo weit weniger als zunächst anzunehmen war. Daher mussten andere Faktoren, wie die horizontale und vertikale Konzentration und ihr Einfluss auf die Leistungsfähigkeit der Anlagen sowie das Volumen und die Nähe zu den Absatzmärkten etc. untersucht werden. Der Gang der Untersuchung versucht, diese Überlegungen Schritt für Schritt zu bearbeiten, auch wenn selbstverständlich davon auszugehen ist, dass die genannten Faktoren in einer wechselseitigen Abhängigkeit stehen.“

S. 21-23:
Gang der Untersuchung
„Zusammenfassend bleibt festzuhalten: Eine umfassende, geschlossene Theorie regionaler Entwicklungsprozesse liegt nicht vor. Daher ist die vorliegende empirische Analyse darauf angewiesen, auf einzelne, operationalisierbare Erklärungsansätze zurückzugreifen, diese zu dem im folgenden kurz umrissenen Untersuchungskonzept zu integrieren und mit den empirischen Befunden zu konfrontieren.
Im Gegensatz zur herrschenden Auffassung, dass Raumordnungsprobleme durch Wirtschaftswachstum gelöst werden können, wird in der vorliegenden Arbeit davon ausgegangen, dass regional ungleichzeitiges und ungleichmäßiges Wachstum eine Begleiterscheinung und Bedingung des Wachstumsprozesses selbst ist. Dies erfordert zunächst ein Eingehen auf die Wechselwirkungen von allgemeiner und regionaler Problematik. Hier wird sowohl an Erkenntnisse der empirischen Standortforschung als auch an klassische Raumordnungsmodelle	in dem Sinne angeknüpft, dass die Determinanten industrieller Standortwahl nicht nur von der Art der Branche, sondern auch von allgemeinen Entwicklungsfaktoren wie insbesondere den konjunkturellen &#039;nationalen&quot; Wachstumszyklen, dem Tempo des Technischen Fortschritts sowie den Absatzmärkten (einschließlich ihrer Organisation) abhängig und entsprechend veränderbar sind. Auch gilt es die regionalen &quot;Verlaufsmodelle&quot; der Eisen- und Stahlindustrie an den nationalen Durchschnittswerten zu messen, um spezifische Entwicklungen, aber auch Parallelen sichtbar werden zu lassen. Schließlich soll herausgearbeitet werden, dass die Eisen- und Stahlindustrie ein relativ großes Gewicht in der Gesamtwirtschaft im eine Analyse der nationalen Entfaltung der Eisen- und Stahlindustrie, insbesondere der konjunkturellen Bewegung, des außenwirtschaftlichen Impulses, der Kopplungseffekte zu anderen Branchen und der Entwicklung der Produktionstechnik.
Das Wachstum der Eisen- und Stahlindustrie im Dt. Zollgebiet von 1850-1914 führte, aufgrund später herauszuarbeitender Faktoren, zu einer räumlichen Konzentration der Produktion in wenigen Zentren und zu einer relativen Bedeutungsverschiebung dieser Zentren. Dieser Trend wird anhand der regionalen Verteilung der Produktion, der Investition und der Beschäftigung im Kapitel 3 skizziert, die besondere Entwicklung der einzelnen Regionen im Abschnitt 5.1.
Im Anschluss daran erfolgt eine ausführliche empirische Untersuchung der regional unterschiedlichen natürlichen Grundlagen, insbesondere der klassischen &quot;Standortfaktoren&quot; im Sinne A. Webers, den Rohstoffinputs, Transportkosten und Lohnkosten. Dies geschieht jedoch nicht statisch, sondern unter Berücksichtigung des Technischen Fortschritts, der konjunkturellen Bedingungen (Preise und Menge), der Wettbewerbsbeschränkungen (z.B. Kokssyndikat) und der Substituierbarkeit mit anderen Kostenfaktoren. Die wichtigsten Indikatoren sind dabei der Vergleich ökonomischer Transportentfernungen, der Kostenvergleich für Rohstoffe loco Region, Selbstkostenvergleiche, Lohnstückkosten, Transporttarife und das Verhältnis von Roheisen-/Halbzeugproduktion zur Stahlverarbeitung. (Kapitel 4)
Es wird zu zeigen sein, und dies markiert auch die Grenzen der traditionellen Standorttheorie, dass die unterschiedlichen Rohstoffbedingungen, Transportmöglichkeiten und evtl. Lohnkostenunterschiede allein, selbst wenn sie im Zeitablauf und in Beziehung zur Produktionstechnik betrachtet quasi dynamisiert werden, nicht die regionalen Wachstumsdifferenzen erklären können. Vielmehr müssen zusätzliche, andere &quot;raumdifferenzierende&quot; Faktoren wirksam gewesen sein, die Standortverlagerungen nach kostenminimalen Inputfaktoren betrachtet nicht sinnvoll erscheinen ließen (Erhalt traditionaler Standorte) oder nicht ermöglichten (Bedeutungsverlust traditionaler Standorte).
Im Kapitel 5 werden daher verschiedene Determinanten, die die Kosten- und Erlösstruktur wesentlich mit beeinflussen und die vorhandene Nachteile in den Rohstoffbedingungen mindestens ausgleichen konnten, behandelt. Zwei Kernpunkte, die sich gegenseitig bedingen, sind hierbei herauszustellen: Einmal ist es die Absatzkomponente als Versuch, die in theoretischen Abhandlungen häufig genannten Agglomerationsvorteile, Kopplungsintensität von Wachstumspolen (Struktur-Hypothese) und Export-Hypothese zu konkretisieren. Hierzu zählen Preise, Mengen, Struktur und Qualität, Richtung und Reichweite des Absatzes, aber auch die Wirksamkeit von Wettbewerbsbeschränkungen (Kartelle etc.) und ihr Einfluss auf die Verfestigung von Vorrangstellungen. Zum anderen wird herausgearbeitet, dass es signifikante Unterschiede in der Größe, der Integrationsstufe und damit der Leistungsfähigkeit der Werke im durchschnittlichen Vergleich der Regionen gab. Produktivitäts- bzw. Kostenvorteile waren nur dann zu erzielen, wenn die installierten Kapazitäten von ihrer Größe, Integration und Effizienz den jeweiligen technischen Möglichkeiten entsprachen. Der theoretische Ausgangspunkt dieser Überlegung ist dabei, dass Produktionsfaktoren nicht in allen Regionen gleich effizient sind und dass sie damit interregional nur eingeschränkt und selektiv mobil sind.“

43-44:
„Zusammenfassend gilt es, mögliche Auswirkungen der geschilderten gesamtwirtschaftlichen Prozesse auf das Wachstum in den einzelnen Regionen als Ursache für Differenzierungsprozesse anzuschneiden: 
1. Verteilten sich die hohen, kontinuierlichen Zuwachsraten der Roheisen- und Stahlproduktion (1850-73) bzw. die Befriedigung einer stark expandierenden Nachfrage auf alle Regionen gleichmäßig oder gelang es einzelnen Regionen an den Zuwachsraten einen besonderen Anteil zu erlangen?
2. Gab es eine unterschiedliche Rezeption des Technischen Fortschritts? Hierbei ist vor allem an den Übergang vom Holzkohle- zum Kokshochofen, an die Produktivitätsfortschritte im Hochofenprozess und in der Walzwerkstechnik zu denken. Außerdem gilt es, die Anfang der 1870er Jahre zunehmende Bedeutung der Bessemer-Stahl-Schiene zu berücksichtigen.
3. Sind schon in dieser Phase signifikante Unterschiede in der Größe der Unternehmen, der Betriebe und der Leistungsfähigkeit der Anlagen festzustellen?
4. Gelang es allen Regionen gleichermaßen, die Gründerkrise zu überwinden? Waren insbesondere die Rationalisierungsstrategien, wie Kapazitätsvernichtung bei gleichzeitiger Auslastungsverbesserung, Produktivitätssteigerungen, Konzentration der Produktion und Ausdehnung der Märkte überall gleich erfolgreich, oder gab es andere Strategien?
5. Verlief die konjunkturelle Entwicklung in allen Regionen annähernd synchron, oder ergab sich allein aus unterschiedlichen Konjunkturbewegungen die (potentielle) Möglichkeit, Märkte zu erobern?“

Zentrale Ergebnisse, Schlussfolgerungen und Ausblick: Siehe das PDF-Dokument.

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        <!-- End ofDummy Structure - should not be required! -->
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                    <r:Description>Histat 2.0 nach DDI 3.1 Export</r:Description>
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