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        <r:Title>DDI3.1 Dokumentation für Studie &apos;Zeitreihen zum Geldumlauf in Deutschland von 1870 bis 1913&apos;</r:Title>
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            <r:Title>Zeitreihen zum Geldumlauf in Deutschland von 1870 bis 1913</r:Title>
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            <r:Publisher>GESIS - Leibniz Institut für Sozialwissenschaften</r:Publisher>

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                In der vorliegenden Untersuchung stellt Richard H. Tilly Datenmaterial zur gesamten geldwirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands zusammen. Dabei handelt es sich um eine Fragestellung, die die Einheitlichkeit geld- und güterwirtschaftlicher Aspekte des Wirtschaftswachstums unterstreichen soll. Der vorgestellte Taxonomie des Geldumlaufs ist nicht als Versuch zu verstehen, in einer einzigen Variablen - wie die Geldmenge - eine neue und bessere Erklärung des deutschen Industrialisierungsverlaufs zu sehen, sondern als Versuch, den Anfang einer systematischen Beschreibung des monetären Sektors zu machen, damit dieser Sektor systematischer als bisher in Beziehung zum realökonomischen Geschehen gesetzt werden kann. 
Seine Angaben fußen im Wesentlichen auf Modifikationen der Angaben bei W. G. Hoffmann  (Das Wachstum der deutschen Wirtschaft seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Berlin/Heidelberg/New York., 1965). Zu diesem Zweck stützt sich Tilly auf ein von Friedman und Schwartz in ihrem bedeutenden geldgeschichtlichen Werk entwickelten Klassifikationsschema (Friedmann, M./Schwartz, A., 1963: A Monetary History of the United States. Princeton, N.J., besonders Appendix B, S. 776-808). Der hier zugrunde gelegte Aufsatz von Tilly bringt neue jährliche Schätzungen des Geldumlaufs in Deutschland, 1870 – 1913. Dem Klassifikationsschema von Friedman und Schwartz folgend, werden einzelne Komponenten des Gesamtgeldumlaufs (M) geschätzt und zueinander in Beziehung gesetzt: Metallgeldreserven der Banken, Bankeinlagen der Nichtbanken, Bestände der Nichtbanken an Noten der Zentralnotenbank usw. Nach der Diskussion der geschätzten Daten werden diese analysiert. Ein Vergleich zur Entwicklung in den USA, 1870-1913, zeigt interessante Parallelen und Differenzen. Die große Bedeutung der Edelmetallbewegungen für den Gesamtgeldumlauf in beiden Ländern wird deutlich. 
Gegenstand des 1973 publizierten Aufsatzes von Tilly sind die Ergebnisse dieser Klassifikation bzw. Reklassifikation deutscher geldhistorischer Daten. „Der Versuch, die Heterogenität des deutschen Geldsystems 1870 – 1913 in die Zwangsjacke einer auf amerikanische geldpolitische Verhältnisse zugeschnittene Taxonomie hineinzupressen, identifiziert nicht nur eine Reihe von interessanten Aspekten und Eigentümlichkeiten des deutschen monetären Systems, die sonst nicht in dieser Klarheit erkannt werden könnten, sondern auch das Vorhandensein mehrerer bedeutender Datenlücken, deren Schließung wir jetzt als eine Voraussetzung signifikanter Aussagen über die Geld- und Bankpolitik des Kaiserreichs ansehen müssen“ (Tilly, R.H., 1973: Zeitreihen zum Geldumlauf in Deutschland, 1870 bis 1913, in: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, Band 187, Heft 4, S. 330). Die zweidimensionale Klassifikation nach Friedman/Schwartz teilt die Gesamtzirkulation der Geldmenge zunächst auf
- nach Besitzern:
Nicht-Notenbanken: N;
Banken: B; 
Zentralnotenbank: S 
und nach
- konkreten Geldformen:
Metallgeld: S; 
Banknoten: N; 
Staatspapiergeld: U; 
Staatsbuchgeld: F; 
Bankeinlagen: D;
Zusammen (ohne Differenzierung nach Besitzern): S’; N’, U’, F’ und D’;
Gesamt: M = Geldmenge; R = Reserven.
Hiernach entspricht also S(N) dem Wert des jeweils im Besitz der Nicht-Bank-Wirtschaftssubjekten befindlichen Metallgeldes, N(B) dem Wert der von den Banken jeweils gehaltenen Banknoten etc. „Die Bedeutung einer Differenzierung der Gesamtzirkulation nach Metallgeld, Banknoten, Bankeinlagen etc. für eine historische Untersuchung ist offensichtlich und bedarf keiner weiteren Diskussion. Problematisch oder kontrovers können in diesem Zusammenhang nur der Grad der Differenzierung und der Inhalt der benutzten Kategorien sein. Anders liegt die Unterscheidung nach ‚Besitzern; sie gründet in der vielleicht nicht so offensichtlichen Rollenzuteilung unter den Staat, die Banken und den Nichtbank-Wirtschaftssubjekten als ‚Geldproduzenten’… Der Staat (oder die Zentralbank) tritt als Produzent der Bankreserven und Bargeldbestände der Nichtbanken auf; die Banken als Produzenten des Bankgeldes und Nachfrager nach Bargeld; die Nichtbanken als ausschließliche Abnehmer des Bankgeldes und (mit den Banken) konkurrierende Nachfrager nach Bargeld“ (Tilly, a.a.O., S. 331).

Für das Geldangebot verwenden Friedman/Schwartz eine Identitätsgleichung, in der die Geldmenge M von drei unmittelbaren Determinanten bedingt ist: das Basisgeld (H) („high-powered money“), das vom Staat in Umlauf gesetzt wird; der Reservequotient („deposit/reserve ratio“), also die vom Bankensystem regulierte Relation zwischen Bankreserven und Bankgeld und der Bargeldquotient („deposit/cash ratio“), also die vom Verhalten der Nichtbank-Wirtschaftssubjekte bestimmte Relation zwischen Bargeld und Bargeldbeständen im Nichtbankensystem:

M = H * [ (D/R*(1+D/C) ] / [ D/R + D/C ]  .

„Die Gleichung für die Geldmenge (M) ist ein Instrument zur Beschreibung der Bewegungen der Gesamtgeldmenge, die sich aus der Interaktion der Geldnachfrage und des Geldangebots jeweils ergeben. Folgende Größen sind definiert:
“C“ ist die Wertsumme der jeweils im Besitz des Nichtbankensektors (N) befindlichen Münzen, Banknoten, Reichskassenscheine und Giroguthaben bei der Reichsbank bzw. den Notenbanken (C = S(N) + N(N) + U(N) + F(N), mit N = Nichtbanken); 
„R“ entspricht den Reserven der nichtstaatlichen Banken: ihre Bestände an Metallgeld, Banknoten, Reichskassenscheine und Giroguthaben bei der Reichsbank (R = S(B) + N(B) + U(B) + F(B), mit B = Banken);
„H“ ist die Summe von „C“ und „R“, also das „Supergeld“ (bei Friedmann/Schwartz: „high-powered money“), das vom Staat (hier: Notenbanken und Münzanstalten) in Umlauf gesetzt wird (H = R + C); 
„D“ entspricht schließlich den Sicht- und Termineinlagen der Nichtbanken bei den nichtstaatlichen Banken (D = D(N), mit N = Nichtbanken).
„M“ ist gleich der Gesamtgeldmenge (M = D + C). 
Die Gesamtgeldmenge „M“ wird hiernach jeweils durch die Höhe des vom Staat ‚produzierten’ Bargeldes „H“, von dem Verhalten der Banken bzw. von der vom Bankensystem regulierten Relation zwischen Bankreserven und Bankgeld (D/R) und vom Verhalten der Nichtbank-Wirtschaftssubjekte bzw. von der Relation zwischen Bankgeld und Bargeldbeständen im Nichtbankensektor (D/C) bestimmt. 
Wie die Gleichung (M = D(N) + C) impliziert, ist die relevante Geldmenge „M“ das Geld im Besitz des Nichtbankensektors (N), da hier nahezu die ganze wirtschaftliche Produktion und Vermögensbildung konzentriert ist, und schließlich diese durch eine Geldanalyse erklärt werden soll. Das bedeutet, dass die Schulden und Guthaben der Banken (ohne Notenemissionsrecht) untereinander durch Saldierung aus der Betrachtung eliminiert werden, ferner dass die Guthaben staatlicher Organe ebenfalls nicht erscheinen, da sie (in unbekannter Höhe) undifferenziert unter den Guthaben der Nichtbanken behandelt werden … Bemerkenswert an diesem Schema ist vor allem dessen Hervorhebung des Unterschiedes zwischen staatlichem „Supergeld“ und privatem Bankgeld: es impliziert doch staatliche geldpolitische Steuerungsmöglichkeiten, die sehr wirksam sein können und die sich sehr leicht überprüfen lassen …

Unsere Aufgabe ist die Erstellung von Langzeitreihen der Variablen „C“, „R“ und „D“, d.h. jährliche Angaben für diese Variablen müssen aus den vorhandenen und noch zu schätzenden jährlichen Daten für S(N), S(B), S(N) etc. abgeleitet werden. Aus empirischen sowie analytischen Gründen müssen dabei vereinfachende Annahmen gemacht und von den Dutzenden von möglichen Schätzungswegen eine Auswahl getroffen werden. Wir präsentieren hier zwei Hauptversionen mit einigen kleineren Variationen“ (Tilly, a.a.O., S. 331f). 

Die Tabellen 5 und 6 und (ergänzend) 9 fassen die Ergebnisse der Schätzungen zusammen: M(1), Geldmenge im engeren Sinne; M(2), Geldmenge im weiteren Sinne und M(3), Geldmenge aus der Version III.
- Die Tabelle 5 enthält eine Zeitreihe, die ‚Bankgeld’ (oder „D“) den Konto-Korrentverbindlichkeiten der Kreditaktienbanken und den Privatbankiers gleichsetzt. Das bedeutet, dass die Einklagen der Sparkassen, Kreditgenossenschaften, Hypothekenbanken und der öffentlich-rechtlichen Bodenkreditinstituten ausgeschlossen werden, ferner dass diese Institutionen überhaupt als Teil des „Nichtbanken-Sektors“ behandelt werden. Infolgedessen werden ihre Bestände an Bar- und Bankgeld zu den Beständen der Nichtbanken gezählt (als Teil von „C“ und „D“).
- In Tabelle 6 wird die Definition des Bankgeldes („D“) um gerade diese Einlagen ausgeweitet, die Bar- und Bankgeldbestände der Nichtbanken entsprechend vermindert, die der Banken vergrößert. 
- Tabelle 9: In einem dritten Klassifikationsversuch wurde (a) die Notenzirkulation und die Einlagen der Privatnotenbank von denen der Preußischen (1871 und 1873) bzw. der Reichsbank getrennt und als Anlagen des Privatbanksektors „D(N)“ behandelt; und (b) bei den Giroguthaben bei der Reichsbank zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Konten differenziert. Das Ergebnis wird hier als Version III wiedergegeben. 


Zentrale Ergebnisse der Studie:
„In Deutschland hat sich die Geldmenge im engeren Sinne (also M1 aus Version I) 1870 bis 1913 etwas mehr als verfünffacht, das Nettosozialprodukt (in laufenden Preisen) nicht ganz verfünffacht (NSP nach W.G. Hoffmann, 1965, Tabelle 122, S. 505-509)… Legen wir unserem Vergleich eine weitere Definition der Geldmenge zugrunde, also M2 von Tabelle 6 (d.h. unter Mitberücksichtigung der Sparkassen, Kreditgenossenschaften etc., Version II), so stellen wir für denselben Zeitraum für Deutschland einen Steigerungsfaktor von ca. 9,5 fest. Das deutet auf die bemerkenswerte Tatsache hin, dass in Deutschland ausgesprochene Spareinlagen eine weitaus größerre Bedeutung als Form der Vermögenshaltung hatten … 
Trotz signifikanter Strukturunterschiede zwischen Deutschland und den UISA 1870 -1913 kann behauptet werden, dass in beiden Ländern ein starkes Wirtschaftswachstum von einem starken Anstieg der Geldmenge begleitet worden ist … Rapides Wirtschaftswachstum und monetäres Wachstum scheinen also Hand in Hand gegangen zu sein … Der größte Teil des Zuwachses der Geldmenge ist durch ‚Delta’ H zu erklären – etwa 60%. Es ist übrigens auch kein Zufall, dass sich der Wachstumstrend in H und auch in M in den 1890er Jahren beschleunigt hat- gerade in der Zeit, in der eine starke Vermehrung der Weltgoldproduktion stattfand. Der zweitgrößte Einfluss ist in der Kassenhaltungspolitik der Nichtbanken, also in (D/C) (mit von 30 bis fast 40%) zu finden, ein geringerer Rest in einer Steigerung von (D/R). 
Der säkulare Wachstumstrend wurde mehrfach durch Schwankungen unterbrochen, an denen auch der Zusammenhang Geldmenge – Gesamtwirtschaft deutlich gesehen werden kann. Tabelle 7 zeigt die Relation auf. Zwei Probleme sind allerdings zu unterscheiden: 1. Das Problem der statistischen Korrelation der jährlichen Änderungen unserer Variablen (mit und ohne Lag); und 2. das Problem des Krisen- und Depressionsverhaltens des Geld- und Bankensystems. Zum ersten Problem kann man auf Tabelle 7 verweisen. Hinzuzufügen ist vielleicht nur noch die Beobachtung, dass für Deutschland wie für die USA 1870 – 1913 Änderungen der Geldmenge meistens Änderungen der gesamtwirtschaftlichen Aktivität etwas vorangegangen sind …
Unsere Tabellen und Schaubilder zeigen einen deutlichen Trendumbruch in den 1890er Jahren. Die erste Periode (abgesehen von den ‚Gründerjahren’ 1870-1873) war durch ein fallendes bis stagnierendes Preisniveau, ein langsam wachsendes Einkommen und eine langsam wachsende Geldmenge gekennzeichnet, ist auch daher mit Recht als ‚Große Depression’ bezeichnet worden. In der zweiten Periode zeigte Deutschland ein fast umgekehrtes Bild, mit einer stark wachsenden Geldzirkulation, stark steigenden Preisen, und schnellem Wachstum des Volkseinkommens. Die ‚Große Depression’ wurde von der Krise von 1873 eingeleitet. Nach unseren Daten war sie staatlicherseits zunächst von einer Ge3ldvernichtung verschärft, und dann von einer unzureichend monetären Expansion prolongiert worden. Die Geldmenge-Expansion der Boomphase 1870-1873 (von ca. 29%) war nach der Geldmengendefinition von Tabelle 5 im wesentlichen von H – der Vermehrung des vom Staat produzierten Supergelder – getragen worden. Dieses „H“ von Tabelle 5 schließt allerdings den Notenumlauf einer Reihe von Privatnotenbanken ein, deren Aktivität für die 1870er Jahre zum Teil zu dem Geschäftsbankensektor gezählt werden könnte (vgl. Version III, Tabelle 9). Die Geldschrumpfung 1873 – 1873 lief analog: H ging um fast 600 Millionen Mark (oder um 17 Prozent) zurück, die Gesamtgeldmenge, M, um nicht ganz 900 Millionen (oder ca. 18 Prozent). Nichtbanken erhöhten ihre Bargeldbestände auf Kosten des Bankgeldes, reduzierten also (D/C), während sich die Geschäftsbanken insofern antizyklisch verhielten, als sie (D/R) nicht reduzierten, sondern ansteigen ließen, was möglicherweise als Ausdruck der gesunkenen Profitstabilität und hart gewordenen Konkurrenz nach 1873 ausgelegt werden könnte. Legt man die Zahlen von Hoffmann, 1965, S. 814-815, zugrunde, ist ein Rückgang in H um fast ein Drittel, 1873-1878, festzustellen, aber diese Zahlen sind irreführend, da sie ab 1876 einer Definitionsänderung unterliegen. Vom Tiefpunkt 1877/1878 ging es auch nur langsam aufwärts, und die langsame Vermehrung von H war ein Grund dafür: 1878-1885 z.B. wuchs H um ca. drei Prozent, M um 16 Prozent. Daß die Großhandelspreise 1873-1885 um fast 40 % sanken, ist z.T. auf diese Geldbremsen zurückzuführen, denn die Produktion musste von vielen Unternehmern – um ihre Fixkosten zu decken – gesteigert werden; diese betriebspolitische Reaktion vermochte indessen nicht einen enormen Anstieg der Konkurshäufigkeit nach 1873 abzuwehren. 
Dieses Bild der Geldkonjunktur der 1870er und 1880er Jahre ist zum Teil von den gewählten Definitionen der Geldmenge abhängig. Definieren wir Zentralbankgeld nämlich als die Notenzirkulation plus Einlagen bei der Preußischen bzw. Reichsbank, und zählen wir die übrig bleibende Notenzirkulation und Einlagen der „Privatnotenbanken&quot; zum Geschäftsbankensektor (und die staatlichen Reichsbankguthaben zum Staat), so sieht die Entwicklung folgendermaßen aus: Die Expansion 1871-1873 ist mehr von Bankgeldschöpfung (D) als von H getragen worden. In absoluten Zahlen stieg D um fast 1,2 Milliarden Mark, H um ungefähr die Hälfte dieser Summe. Auch die Schrumpfung 1873-1878 zeigte eine ähnliche Relation. 1878-1885 ist jedoch das staatliche Bremsen noch deutlicher, mit einem Zuwachs von ca. 1 Prozent gegenüber einer Zunahme von M von ca.17 Prozent. Das heißt, das Umdefinieren verstärkt die Konjunkturschwankungen etwas, vermindert auch den staatlichen Beitrag zur Deflation. Eine wesentliche Anderung der o. a. Interpretation der geldpolitischen Rolle des Staates wird aber hierdurch n i c h t bewirkt.
Unterstellt man dem Staat eine Konjunktur stabilisierende Verantwortung - was sicherlich eine unhistorische aber dennoch möglicherweise lehrreiche Unterstellung wäre - so scheint sein Verhalten nur mit mangelnder Information oder dem Glauben an der „Gesund-Schrumpfen-Theorie&quot; der Konjunkturpolitik erklärbar zu sein. Man darf freilich den Schwierigkeitsgrad der neuen wirtschaftspolitischen Aufgaben nicht unterschätzen. Die Freigabe der Konzessionierung von A.G.&#039;s 1870 hat zu einer starken Gründungswelle vor allem im Bankensektor geführt; Mittel und Wege zur Steuerung ihrer Aktivität mußten gefunden werden. Gleichzeitig war man in diesem Zusammenhang dabei, Zentralbankfunktionen einer neuen Institution (der Reichsbank) zu übertragen, und eine neue Goldwährung einzuführen. Darüber hinaus war das stark ausgebaute Eisenbahnnetz Deutschlands nunmehr nach 1874 sanierungsbedürftig geworden. Und schließlich war die wirtschaftspolitische Energie des Staates auf die Frage der Handelspolitik konzentriert: Geldpolitik war für den Staat sozusagen noch kein Begriff&quot;).
Letzten Endes bleibt jedoch die Tatsache bestehen, daß die monetäre Schrumpfung ein Bestandteil der „Großen Depression&quot; gewesen ist, dessen kontraktive Wirkung durch eine anders geartete Geldpolitik hätte gemildert oder gar vermieden werden können. Zumindest ist das eine interessante und plausible Hypothese. Es ist interessant zu spekulieren, z. B. ob eine expansivere Geldpolitik zu dieser Zeit durchführbar gewesen wäre, die eine wesentliche Wirkung auf die tatsächlich versuchten „Depressionslösungen&quot; - nämlich Schutzzölle und Kartellbildung - gehabt hätte.
Es ist auf jeden Fall lehrreich, die tatsächlich verfolgte „Geldpolitik&quot; in Deutschland in den darauf folgenden Jahren zu beobachten und sie mit der amerikanischen Erfahrung auf dem Gebiet zu vergleichen. In einem gewissen Sinn scheint die deutsche Geldpolitik von der Krise der 1870er Jahre gelernt zu haben; 1885 markiert die letzte signifikante Schrumpfung des „Supergeldes&quot;, nennenswerte Schwierigkeiten traten nur noch 1901 und (in geringerem Maße) 1907 auf, und wurden bald wieder - 1901 durch kräftige Rediskontierung bei der Reichsbank - beseitigt&quot;).

Ausblick:
Das hier vorgeführte empirische Material bedarf Verbesserungen, Ergänzungen:
(a) eine klarere Trennung zwischen den staatlichen und nichtstaatlichen Geldbeständen,
(b) fundiertere Schätzungen über die Einlagen der Privatbankiers,
(c) die Substitution von Jahresdurchschnittszahlen für Jahresabschlusszahlen,
(d) angaben über die Entwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs – die u.U. in Bestandszahlen nicht gut widergespiegelt werden,
(e) Angaben über die Profitabilität des Bankensektors. 
Das Fernziel der Arbeit ist eine Erklärung der Rolle des monetären Systems im Wirtschaftswachstumsprozess. Der Beitrag des monetären Systems zum Wirtschaftswachstum erschöpft sich natürlich nicht in Änderungen des Geldumlaufs, kann aber m.E. ohne eine vorangehende Berücksichtigung dieser Änderungen nicht klar erfasst werden. Als einzige Recheneinheit, als allgemeines Tauschmittel und als liquideste Vermögensform bildet das Geld den Eckstein sozusagen, von dem aus das monetäre Gebäude aufgebaut werden muss … Wir gehen davon aus, dass das Wirtschaftswachstum das Produkt einer Interaktion der Gesamtnachfrage und der Investitionen gewesen ist. Es gilt dann die Beeinflussung dieser zwei Variablen durch monetäre Instrumente und Institutionen nachzuweisen.“ (Tilly, a.a.O., S. 348-355).

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